Bei der Bewertung von Heil- und Hilfsmitteln fehlt es an wissenschaftlichen Nutzennachweisen und an Qualitätsstandards. Das ist das Ergebnis des GEK Heil- und Hilfsmittel-Reports 2009, den die Gmünder Ersatzkasse (GEK) in Auftrag gegeben hat. Professor Gerd Glaeske, Autor des Reports, kritisiert: "In puncto Transparenz, Nutzenbewertung und Evidenzbasierung muss die Heil- und Hilfsmittelversorgung noch aufholen." Wie in der Arzneimittelversorgung bräuchten die Krankenkassen auch bei Heil- und Hilfsmitteln angemessene Richtgrößen.
Patienten erhalten teure aber falsche Therapie
Von solchen Standards sieht Glaeske die Heil- und Hilfsmittlversorgung weit entfernt: "In Sachen Transparenz liegt der Bereich 15 Jahre hinter dem Arzneimittelbereich zurück." Es würden oft teure aber unwirksame Therapiemaßnahmen verschrieben. So erhielten Patienten Massagen, die eigentlich aktivierende Krankengymnastik gebraucht hätten.
Deutschland auf dem Weg in die Therapiegesellschaft
GEK Vorstand Dr. Rolf-Ulrich Schlenker sieht Deutschland auf dem Weg in die "Therapiegesellschaft". Schon jeder elfte Versicherte unter zehn Jahren erhalte Logopädie oder Ergotherapie. Hier finde eine Verlagerung statt: "Offenbar werden immer früher Ärzte, Ergotherapeuten und Logopäden hinzugezogen, auch weil Eltern und Erzieher verunsichert oder überfordert reagieren", sagt Schlenker.
Heil- und Hilfsmittel sind viertgrößter Ausgabenblock
Glaeske sieht diese Entwicklung als Kostenfaktor für die Krankenkassen immer noch zu wenig beachtet. Denn die Aufwendungen der Krankenkassen für Heil- und Hilfsmittel steigen kontinuierlich: um 4,7 Prozent im Jahr 2007 und um 5,8 Prozent 2008. Mit rund fünf Milliarden Euro sind die Aufwendungen für Heil- und Hilfsmittel der viertgrößte Ausgabenblock für die Krankenkassen.
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