Unrentable Versicherungsvermittler 

70 Prozent der Außendienstmitarbeiter verursachen

einen höheren Betreuungsaufwand als sie durch Vertragsabschlüsse

einbringen. Wirklich Geld verdienen die Versicherer nur mit rund

jedem Dritten ihrer Vermittler. Trotzdem erhalten alle

Versicherungsagenten eine ähnlich intensive Betreuung durch die

Vertriebsabteilungen der Assekuranzen. Mit der Konzentration der

Vertriebsunterstützung auf die Vermittler, die in der Kundenakquise

erfolgreich sind, könnten die Versicherer bis zu 40 Prozent ihrer

Verwaltungskosten für die Betreuung des Außendienstes einsparen, so

eine Einschätzung von Markus Spieleder von Steria Mummert Consulting.



Die Versicherungsbranche hat den Nachholbedarf bei der Betreuung

ihrer Vertriebspartner erkannt. Künftig planen die Assekuranzen, den

Service durch den Innendienst stärker auf Vermittler zu fokussieren,

die bei der Kundenberatung bessere Ergebnisse erzielen als andere.

Die Idee: eine differenzierte Betreuung des Außendienstes.

Vermittler, die sich häufiger um ihre Kunden kümmern, werden

beispielsweise mehrmals im Monat persönlich von ihrem

Außendienstbetreuer besucht, weniger aktive Mitarbeiter dagegen nicht

mehr. Diese erhalten Informationen zukünftig per E-Mail oder über

Online-Portale. Hierfür investieren die Assekuranzen in eine

automatisierte Vertriebsunterstützung für die weniger profitablen

Vermittler. Dabei setzen die Versicherer verstärkt auf den Einsatz

von Informationstechnologie.



Weiteres Potenzial für eine kostenschonendere Betreuung sehen die

Versicherer bei der Auswertung von Vermittlerdaten: Die

Vertriebsabteilungen sammeln zwar Umfeldinformationen über ihre

Partner, diese werden allerdings im Management häufig nicht

systematisch genutzt. Viele verzichten bislang auf technische

Unterstützung zur Steuerung der Außendienstbetreuung. Auch die

Arbeitsabläufe im Vertrieb kommen auf den Prüfstand: Mehr Effizienz

versprechen sich die Assekuranzen schon bei der Auswahl neuer

Vertriebspartner. Diese erfolgt bisher in der Regel nur durch die

Abfrage formaler Voraussetzungen. Zudem ist das Aufnahmeprozedere bei

vielen Versicherungsunternehmen weder inhaltlich noch strukturell

standardisiert.



Die Einteilung der Vermittler in Gruppen richtet sich nur nach

rein betriebswirtschaftlichen Kennzahlen: So genannte weiche

Faktoren, wie beispielsweise die Beziehung des Vermittlers zu seinen

Kunden, Loyalität gegenüber dem Versicherer oder Kompetenz, werden

bei der unterschiedlichen Betreuung der Außendienstmitarbeiter

berücksichtigt. Regelmäßiges Aufzeigen des Mehrwerts einer intensiven

Betreuung soll die Bindung zum Versicherungsunternehmen erhöhen.



Die Auswirkungen der EU-Vermittlerrichtlinie und der Novelle des

Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) werden die Segmentierung im

Außendienst weiter vorantreiben. Die strengeren Informationspflichten

der Berater sowie die erhöhten Ansprüche an die Qualifikation sorgen

dafür, dass nebenberuflich tätige Vermittler es künftig schwerer

haben werden. Die Versicherer werden sich bei der

Außendienstbetreuung auf Makler und die eigenen Vermittler

konzentrieren. Sie können die neuen Qualitätsansprüche der

Versicherer an die Kundenberatung am ehesten umsetzen.

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