In rund fünf Prozent der Fälle, in denen eine Berufunfähigkeitsversicherung einspringen soll, gibt es Streit vor Gericht, weil Versicherer nicht zahlen wollen. Ab 2008 könnte die Zahl der Prozesse steigen, denn mit dem neuen Versicherungsvertragsgesetz (VVG) steigen die Chancen der Verbraucher, Recht zu bekommen. Das geht aus einem Bericht der Financial Times Deutschland (FTD) hervor.
Hauptgrund für Streitigkeiten sind nach Aussage des auf Versicherungsrecht spezialisierten Rechtsanwalts Andreas Krämer mögliche Vorerkrankungen der Versicherten. "Nach unserer Erfahrung sind in rund 70 Prozent der Fälle Konflikte zur vorvertraglichen Anzeigepflicht die Ursache für Streit", sagte Krämer der FTD. Bei Vertragsschluss sind die zukünftigen Kunden verpflichtet, bestimmte Angaben zu ihrer Gesundheit zu machen.
Dabei ist die Frage nach "Vorerkrankungen" oftmals sehr allgemein gehalten. "Werden zum Beispiel frühere Rückenleiden oder Allergien nicht angegeben, etwa weil der Kunde sie für unwichtig hält, können Anbieter im Versicherungsfall mit dem Hinweis auf die Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflichten die Leistung verweigern", so Krämer. Mit dem neuen VVG ist dieses Vorgehen nicht mehr möglich. Dann müssen Kunden nur noch solche Krankheiten anzeigen, nach denen der Versicherer in Textform gefragt hat.
"Die Fragen zur Gesundheit werden detaillierter und konkreter", sagt Volker Seidel, Vorstandsmitglied der Volksfürsorge, einer Tochter der AMB Generali. Es würden wesentlich mehr Details erhoben. Der Versicherer erwartet deshalb einen Rückgang gerichtlicher Auseinandersetzungen um strittige Gesundheitsfragen. Ob es tatsächlich weniger Streit gibt, müsse abgewartet werden, meint dagegen Lilo Blunck vom Bund der Versicherten. "Erst mit Zeitverzögerung wird sich herausstellen, wie gut die neuen Regeln sind."
Die Versicherungsexpertin der Hamburger Verbraucherzentrale, Edda Castello, weist dagegen auf einen wichtigen Konfliktherd hin, der durch die neuen Regeln nicht aus der Welt geschafft werde: Nach ihrer Erfahrung beantworten viele Verkäufer die Gesundheitsfragen für ihre Kunden. "Solange Provisionen gezahlt werden, hat der Vermittler ein Interesse, wahre Angaben des Kunden zu unterdrücken."