Kommentar von Wolff von Rechenberg
Wer wollte nicht zustimmen, wenn die Finanzaufsicht BaFin demnächst unfähige Aufsichtsratsmitglieder abberufen können soll? Unser Geld wollen wir schließlich nur von Könnern verwaltet wissen. Dabei lässt sich heute sagen: Sachverstand hilft, ist aber nicht alles. Ein Beispiel benennt das "Handelsblatt" heute: Die von der Bundesregierung geplante strengere Aufsicht wird möglicherweise zuerst die Verwaltungsräte der Sparkassen treffen. Hier werden oft Posten nach Parteienzugehörigkeit vergeben und nicht nach fachlicher Eignung.
Boshaft könnte man entgegnen: Na und? Hat es geschadet? Schließlich sind die Sparkassen bisher allgemein ohne schwerwiegende Schrammen durch die größte Finanzkrise seit 1929 gesegelt. Laien in die Aufsichtsräte? Ganz so sehen das die Sparkassen nicht. Sie verteidigen aber ihr Modell, das neben Sachverstand auch regionale Verankerung und "gesunden Menschenverstand" berücksichtigt. Die Manager einiger Geschäftsbanken haben mit einem anderen Werdegang und möglicherweise mehr Sachverstand Milliardenlöcher in die Bilanzen ihrer Banken gerissen.
Um es noch einmal zu wiederholen: Sachverstand hat noch nie geschadet. Aber mit dem Geld anderer Leute zu Zocken, ist mehr eine Frage des Charakters als eine des Bildungsabschlusses. In deutschen Vorständen und Aufsichtsräten fehlt es an menschlicher Qualität, nicht an fachlicher Qualifikation. Wir dürfen gespannt sein, welche Antworten unsere Finanzpolitiker darauf finden.