Die Bundesbürger haben weltweit mit am meisten unter den Steuerbehörden zu leiden. Dabei geht es nicht so sehr um die Höhe der Steuerbelastung sondern vielmehr um massive Zugriffsmöglichkeiten des Fiskus auf den Bürger und um einen wenig transparenten Umgang des Staates mit Steuermitteln. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), wie das Magazin "Focus" in seiner Onlineausgabe berichtet.
Für den Index des Steuerdrucks untersuchten die Wissenschaftler in allen 30 OECD-Ländern die Bedingungen für die Steuerbürger und zogen insgesamt 18 Kriterien heran: Einerseits wurde das Verhältnis der Steuerbelastung entsprechend der wirtschaftlichen Leistung und Höhe der einzelnen Steuersätze betrachtet und andererseits die Effizienz des Staates bei der Abgabenerhebung und sein Umgang mit Steuermitteln untersucht, heißt es im Artikel.
OECD prüfte auch Qualität der Korruptionskontrolle
Geprüft wurden zudem die Qualität der Steuergesetzgebung, Korruptionskontrolle sowie die Qualität der finanziellen Privatsphäre, also die Stellung des Bankgeheimnisses und die Zugriffsmöglichkeiten auf Bankdaten zur Steuerermittlung, schreibt das Magazin. Aus den Kriterien wurden ein Punkteraster gebildet, in dem der Wert zehn für sehr hohen Steuerdruck und der Wert null für fast keinen Steuerdruck stehen.
Deutschland erreicht zweithöchsten Wert
Die Bundesrepublik erreichte mit dem Wert 5,9 – gemeinsam mit Mexiko und Polen – den zweithöchsten Wert der 30 Staaten. Nur in Italien und der Türkei ist der Druck auf die Bürger durch den Gesetzgeber und den Fiskus noch größer. Deutschland landet so –wie auch die Niederlande und Frankreich – in der Gruppe mit dem höchsten Steuerdruck auf die Bürger.
Dagegen reihen sich Staaten wie die USA, Großbritannien oder Japan im Mittelfeld ein. In der Schweiz, Österreich, Luxemburg und Kanada ist der Druck des Fiskus auf die Bürger am geringsten.
Deutsche haben nur geringe finanzielle Privatsphäre
Selbst Länder mit hohen individuellen Steuersätzen wie Schweden oder Finnland knüpften laut der Untersuchung ein weniger engmaschiges fiskalisches Netz als die Bundesrepublik, schreibt "Focus". Die Bürger der beiden skandinavischen Länder profitieren mehr als die Deutschen von einem sehr verantwortungsbewussten und transparenten Umgang des Staates mit den eingezogenen Steuergeldern.
Dort ist auch der Datenschutz höher sowie der Schutz vor staatlichen Zugriffen. In Deutschland dagegen gebe es eine finanzielle Privatsphäre praktisch nicht mehr, stellten die Ermittler fest.
Laxer Umgang mit Steuergeldern in Deutschland
In Deutschland besteht zudem ein deutliches Missverhältnis zwischen einerseits akribischer staatlicher Nachstellung und andererseits einer teils lässigen, undurchsichtigen Verwaltung der Steuergelder, schreibt das Magazin: "Während vom Bürger absolute Transparenz gefordert wird, hüllen sich die Steuerbürokratien in eine Wolke von Intransparenz", moniert Charles B. Blankart, Professor für öffentliche Finanzen an der Humboldt-Universität in Berlin.
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