Die Umverteilung im deutschen Sozialversicherungsystem wird zu einem Großteil von Gutverdienenden finanziert. Das ergab eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Demnach zahlen die 30 Prozent der Haushalte mit den höchsten Einkommen im Jahr 2007 mehr als 50 Prozent der Sozialversicherungsbeiträge.
Haushalte mit einem durchschnittlichen monatlichen Einkommen von 10.751 Euro im Jahr 2007 zahlten zirka 71 Milliarden Euro in die Sozialkassen ein. Spitzeneinkommen von mehr als 18.000 Euro im Monat wurden in der Studie allerdings nicht berücksichtigt. Auch wenn die Kluft zwischen den Einkommensgruppen seit 1993 größer geworden sei, habe die staatliche Umverteilung bewirkt, dass die Nettogehälter beinahe unverändert verteilt seien, erklärte das Institut.
Das steht im Widerspruch zu einer im Mai von der OECD veröffentlichten Studie, wonach die Abgabenbelastung für hohe Einkommen in Deutschland gesunken sei. Je mehr ein Haushalt verdient, desto geringer ist der anteilmäßig gezahlte Sozialversicherungsbeitrag.
Zudem kritisierte das Kölner Institut Vorschläge für die finanzielle Neuordnung des Sozialversicherungssystems. Selbst die Erhöhung der Beitragsmessungsgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung von derzeit 3675 Euro auf 5250 Euro sowie die Einbeziehung von Beamten, Selbstständigen und Freiberuflern in die Sozialversicherungspflicht würde kaum Entlastungseffekte für die unteren Einkommensgruppen bewirken. Durch die Aufnahme der bisher privat Krankenversicherten würden erheblich mehr Patienten in das System strömen.